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Digitale Souveränität beginnt nicht beim Standort des Rechenzentrums

Ein deutscher Standort allein macht keine souveräne Cloud. Entscheidend sind zwei Grundpfeiler — Open Source und Interoperabilität. Warum OpenStack und Kubernetes dafür die richtige Kombination sind.

Robin Mai · Geschäftsführer3 Min. Lesezeit

Digitale Souveränität wird oft mit dem Standort eines Rechenzentrums verwechselt. „Server in Frankfurt" steht dann im Angebot, und damit gilt die Frage als beantwortet.

Dabei beginnt sie viel früher. Sie beginnt mit der Frage, worauf unsere Infrastruktur überhaupt aufgebaut ist.

Der Standort ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung

Ein Rechenzentrum in Deutschland ist wichtig. Es ist nur eben nicht die ganze Antwort.

Wenn zentrale Bestandteile unserer IT von einzelnen Herstellern abhängen, geben wir zwangsläufig einen Teil unserer Handlungsfreiheit aus der Hand. Nicht, weil diese Technologien schlecht wären — viele von ihnen sind ausgezeichnet. Sondern weil jede Abhängigkeit unsere zukünftigen Entscheidungen beeinflusst.

Die Frage ist nicht nur, wo die Daten liegen. Sondern auch: Wer bestimmt über die Software, auf der sie liegen? Wer entscheidet, welche Funktionen es nächstes Jahr noch gibt? Wer legt fest, was der Betrieb dann kostet? Und wie realistisch ist es, den Anbieter zu wechseln, wenn eine dieser Antworten nicht mehr passt?

Ein Standort in Deutschland beantwortet keine dieser Fragen.

Zwei Grundpfeiler

Ich bin überzeugt, dass die digitale Souveränität Europas auf zwei Grundpfeilern beruhen muss.

1. Open Source

Die Technologien, auf denen unsere digitale Infrastruktur basiert, müssen transparent, überprüfbar und unabhängig von einzelnen Herstellern weiterentwickelt werden können.

Transparenz ist dabei mehr als ein gutes Gefühl. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass jemand außerhalb des Herstellers überhaupt beurteilen kann, was eine Plattform tut — und was sie nicht tut. Bei geschlossener Software bleibt am Ende nur Vertrauen in ein Versprechen.

2. Interoperabilität

Systeme müssen über offene Standards zusammenarbeiten. Nur wenn Anwendungen, Daten und Infrastruktur austauschbar bleiben, entsteht echte Wahlfreiheit und kein Vendor Lock-in.

Der Unterschied zeigt sich immer erst beim Wechsel. Eine Plattform, die offene Schnittstellen spricht, lässt sich verlassen. Genau deshalb muss man es meistens gar nicht — wer bleiben kann, aber nicht muss, verhandelt anders.

Warum OpenStack und Kubernetes

Genau deshalb halte ich die Kombination aus OpenStack und Kubernetes für so spannend.

Nicht nur, weil sie Open Source sind. Sondern weil sie gemeinsam genau diese beiden Prinzipien ermöglichen: Offenheit und Interoperabilität.

EbeneAufgabeWas das für Souveränität heißt
OpenStackCompute, Storage, Netzwerk, IdentitätenDie Infrastrukturebene bleibt quelloffen und auditierbar — inklusive der Frage, wie Mandanten voneinander getrennt sind
KubernetesOrchestrierung von AnwendungenWorkloads sind über offene APIs beschrieben und laufen auch woanders

Beides sind etablierte Standards mit großen, herstellerübergreifenden Communities. Kein einzelnes Unternehmen kann einseitig entscheiden, wie es weitergeht. Das ist kein Nebeneffekt, das ist der Punkt.

Unsere eigene Plattform bauen wir in Deutschland auf genau diesem quelloffenen Fundament auf — frei von proprietärem Lock-in. Wie das konkret aussieht, steht auf der Seite Souveränität.

Was das für die Praxis heißt

Wer heute eine Infrastrukturentscheidung trifft, kann ein paar Fragen stellen, die schnell Klarheit schaffen:

  • Auf welchem technischen Fundament läuft die Plattform — und ist dieses Fundament quelloffen?
  • Über welche Schnittstellen wird sie bedient? Sind das offene Standards oder herstellereigene APIs?
  • Wie sähe ein Umzug zu einem anderen Anbieter aus? Wie lange würde er dauern?
  • Wer hat Zugriff auf die Daten — rechtlich, nicht nur technisch?
  • Was passiert, wenn der Anbieter seine Preise oder sein Produktportfolio ändert?

Die letzten beiden Fragen führen fast immer zum selben Thema: Welchem Rechtsraum unterliegt der Anbieter? Wir haben das in einem eigenen Beitrag ausführlicher aufgeschrieben — Stichwort US CLOUD Act und Datenhoheit.

Souveränität entscheidet sich in Architekturentscheidungen

Die digitale Souveränität Europas entscheidet sich nicht in politischen Sonntagsreden.

Sie entscheidet sich in den Architekturentscheidungen, die Unternehmen und öffentliche Einrichtungen heute treffen.

Jede offene Schnittstelle. Jede austauschbare Komponente. Jede vermiedene Abhängigkeit bringt uns diesem Ziel ein Stück näher.

Das ist unbequemer als ein Häkchen im Angebot. Aber es ist der einzige Weg, auf dem Souveränität mehr wird als ein Wort auf einer Folie.

Open SourceInteroperabilitätOpenStackKubernetesVendor Lock-in
Über den Autor
Robin Mai
Geschäftsführer, Brillianza GmbH
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